Marokko

Vor einer Woche sind wir gestartet. Das Wetter hat uns den Abschied erleichtert. Der Weg durch die Schweiz war durch Schneeregen begleitet, in Frankreich wurde es etwas angenehmer. Unsere Stationen: Annecy, Orange, Avignon und die Camargue.....alles im Prinzip nur zur Durchfahrt, dennoch die Stationen sind allesamt wunderschön.
Annecy hat eine wunderbare Altstadt, viele kleine Wasserwege, eine wirklich bezaubernde Stimmung in den Gassen.
Orange bietet ein sagenhaftes Amphitheater, das zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, allein das ist ein Garant für eine wirkliche Sehenswürdigkeit.
Avignon's Altstadt beherbergt den ehemaligen Papstpalast (Sitz der Päpste von 1309 bis 1423), außen Burg, innen wurden die immens hohen Räume mit orientalisch anmutenden Ornamenten und reichlich Farbe versehen (natürlich nur in einigen Räumen zu betrachten)....... da kann man der Fantasie freien Lauf lassen....
Die Brücke von Avignon gehört wiederum zum UNESCO Weltkulturerbe......man sollte sie gesehen haben und auf dem geschichtsträchtigen Steinen etwas verweilen.
Letzte Nacht in Frankreich haben wir in Forca Real verbracht, hoch am Berg mit gigantischem Rundblick bis hin zum Meer. Hermann hat den Platz durch Stöbern in "Johnsons" Seite entdeckt, danke für den Tipp.
Wir verlassen Frankreich, bleiben an der Mittelmeerküste, erste Station Figueres. Vor Jahren waren wir mit den Motorrädern unterwegs und wollten gerne das Dali-Museum besuchen, doch damals standen wir vor verschlossenen Toren, diesmal hat's geklappt und wir konnten das Wirken des Meisters bestaunen.
Barcelona dachten wir, die wollen uns nicht.....erst hat sich die Stellplatzsuche etwas zeitaufwändig dargestellt, dann war die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel etwas schwierig.....dennoch haben wir drei Nächte auf einem kostenfreien Standplatz verbracht und sind auf den Spuren Gaudí's gewandelt.
Der Weg geht weiter.... an der Küste entlang, kurze Pause im Ebro-Delta, einem sehr ausgedehnten Reisanbaugebiet, zwei Nächte am Meer, nur für uns😊, über Murcia in die Berge, Richtung Granada.
Granada
Die Stadt an sich ist schon eine Reise wert, sehr nette Gassen in der Altstadt....aber das Highlight ist natürlich die Alhambra.
Hoch über der Stadt thront die Alhambra, erbaut im 13. Jahrhundert von den Mauren, von verschiedenen Herrschern immer wieder erweitert. Die Alhambra besteht nicht nur aus einem Palast, es ist eine sagenhafte, orientalische Stadt, nebst ausgelagertem Sommerpalast mit Wasserspielen und Brunnen, die auf verschiedenen Ebenen angelegt wurden. Die Ornamente, mit denen die Säulengänge und Räumlichkeiten verziert wurden, kann man nur versuchen alle wahrzunehmen in der kurzen Zeit des Besuches.
Das Ganze muss sich ein jeder selbst ansehen, hier nur einige Details:

Granada war sehr kalt, so sind wir einen Tag früher wieder Richtung Meer gefahren, in Benalmadena hatten wir Sonne🌞jippiih....

Die Überfahrt mit der Fähre hat heftiger Sturm um einen Tag verzögert. Den Tag haben wir genutzt um kurz Gibraltar zu besuchen....einmal mit dem BayerMAN gemächlich über die Startbahn eines Airports zu tuckern, das haben wir uns doch immer schon gewünscht.

Am ersten Dezember sind wir dann bei bewegter See mit der Fähre von Algeciras nach Ceute übergesetzt.

Der Grenzübergang völlig unkompliziert.

Doch bereits an der Grenze konnten wir feststellen wie Marokko funktioniert. Es gibt für alles Helfer, so auch um die Einfuhrmodalitäten für's Fahrzeug korrekt abzuwickeln, den richtigen Parkplatz zu finden oder auch den Weg aus der Medina.

Helfer sind überall zur Stelle, für ein paar Dirham machen sie fast alles möglich.

Die erste Nacht haben wir in Tetouan verbracht. Einer jener besagten Helfer hat uns raus aus der Medina gebracht und uns direkt zu unserem lauschigen Übernachtungsplatz unter vielen nachtaktiven Bussen geleitet. Nächsten Tag haben wir die Medina besucht. Weltkulturerbe, ursprünglich, schön, schlicht, nicht zu groß. Wieder hat uns ein Helfer gefunden....als wir vor dem Gerberviertel standen, haben wir kurz gezögert und da waren wir fällig. Die nächsten Stunden hat er uns in Ecken der Medina geführt, die wir sicher nicht entdeckt hätten....und er hat uns auch aus dem Gewirr an Gassen zurück ans Tageslicht in eine andere Welt zurückgeführt. 

Unser Weg führt uns in die blaue Stadt Chefchauen auf 700 m über dem Meeresspiegel. Eine liebenswerte Kleinstadt...die Maler und Anstreicher haben hier wohl das ganze Jahr über zu tun, denn alles, selbst Treppenstufen sind blau bemalt.

Alles scheint hier stressfrei abzulaufen....schön bei einer kurzen Rast dem Treiben zuzusehen.

Heftige Regenfälle treiben uns weiter Richtung Süden.

Das schlimmste Unwetter mit Sturm und sintflutartigem Regen haben wir im 1600 m hoch gelegenem Ifrane erlebt. Es war gut, als die Nacht vorüber war.

Unsere "Flucht" ging weiter Richtung Süden.....

nachdem wir die Pässe des Hohen Atlas überquert hatten, war der Wettergott etwas gnädiger.

Plötzlich ist da eine andere Welt.....erst dichte Zedernwälder mit freilebenden Berberaffen, dann plötzlich die Wüste.....

Wir haben den südlichsten Punkt unserer Fahrt erreicht. Wir sind in Merzuga am Erg Chebbi, einem wunderbaren kleinen Dünengebiet, das Dünen um die 200 m Höhe zu bieten hat.

Und wenn nicht gerade wilde Horden mit Quads herumrasen ist dieser Ort voller Ruhe und Schönheit und diese haben wir heute einfach genossen.

Wie es scheint, wurden wir heute zu einem wunderbaren Menschen samt seinem Museum Lalla Mimouna gerufen.

Wir hatten nur die Nacht auf dem zugehörigen Parkplatz draußen im Nirgendwo verbracht, als Hermann morgens von Zaïd Abbou angesprochen wurde, ob er denn eine gute Nacht gehabt hätte.

Er hat ein wenig erzählt und konnte uns sofort von seinem Werk überzeugen.

Zaïd Abbou, Künstler, Kalligraph, Sammler 

alter Gebrauchsgegenstände, alter Handschriften, prächtiger Kleidungsstücke mit zugehörigem Schmuck jeweils von Berbern und den Touaregs.

Aber seine größte Leidenschaft ist das Wasser.....es sprudeln in seinem aufgebauten Dorf mehrere Quellen, alle liebevoll in Stein gefaßt.

Er vermittelt den Besuchern, besonders der marokkanischen Jugend die Wichtigkeit des Wassers, dem Quell des Lebens.

Marokko rüttelt mich durch/auf, damit meine ich die Piste, die die Todhra und die Dades Schlucht miteinander verbinden soll, hat sich heute in nichts aufgelöst hat.
Auf diesem Weg mussten wir so viele in Armut lebende Nomaden sehen. Es macht derart betroffen, wie diese Menschen in ihren Nomadenzelten oder Höhlen bei diesen Temperaturen hausen. Diese Nacht war eisig, bei -7 Grad sind wir heute früh losgefahren.....wir konnten die Standheizung betätigen, diese Leute haben das nicht. Wir konnten und wollten nicht bei allen anhalten, die unseren BayerMAN stoppen wollten, aber es fehlt ihnen wohl an den elementarsten Dingen, Kleidung, vor allem Schuhe.....
ein junges Mädchen hat uns angehalten, sie war derart verdreckt, sie hätte wirklich andere Kleidung gebraucht, doch wir konnten ihr keine geben, wir haben keine Kleider zum Verteilen mitgenommen.
Einigen konnten wir wenigstens mit Tee, Zucker, Seife und ein paar Bonbons weiterhelfen.

Auf unserem weiteren Weg zurück über den Hohen Atlas Richtung Marrakesch haben wir das Ksar Aït Benhaddou besucht.

Aït Benhaddou gehört seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe.  Das Ksar ist komplett aus gestampftem Lehm erbaut. Vieles wurde restauriert, doch vieles ist schon wieder in sich zusammengefallen. Das Ksar ist schon mehrfach als Filmkulisse genutzt worden für "Lawrence von Arabien" oder "Der Gladiator" zum Beispiel.
Wunderschön gelegen am Qued Mellah, wunderschön die Aussicht vom höchsten Punkt des Ortes.
(Qued ist ein Flusslauf, der nicht immer Wasser führt)
Bei der Überquerung des Hohen Atlas mussten wir den Tizi-n-Tichka-Pass überqueren...die Strecke für Bergenthusiasten ein Traum.

Marrakesch ist unbeschreiblich......

ein Fest der Sinne....

Es ist schön, es ist hässlich.

Es ist anziehend, es ist abstoßend. 

Es ist Mittelalter, es ist Glitzerwelt.

Es ist dreckig, grau in grau.

Es ist über und über voller Leben.

Es ist ein eigener Mikrokosmos🌐

Es tickt im eigenen Takt, Zeit spielt keine Rolle.

Es ist reich, es ist arm.

Es ist geschäftig, es ist beengend und lässt doch Raum für die ganze Welt.

Kurzum es ist faszinierend und schockierend zugleich.

Weiter geht der Weg ans Meer.....wir verbringen eine Nacht in Safi hoch über der tosenden Brandung. El Jadida ein recht beschaulicher Ort bietet eine sehr gut erhaltene Stadtmauer mit Rundumblick.

Casablanca wollten wir eigentlich umfahren, aber wie's mit Umleitungen halt so ist, durften wir doch mitten durch......stressig.

Sehr angenehm haben wir Rabat, die Hauptstadt und Königsstadt empfunden. Sauber, keine nervenden Händler und schöne Dinge wie das Mausoleum des Mohamed V., sowie der Hassan-Turm, die über der Stadt thronen sind wie Balsam für die Seele.

Eine Nacht in Moulay-Bousselham auf dem Campingplatz direkt an der Lagune. Der Platz ist sehr zu empfehlen, sehr sauber, wunderschöne Lage. Die Lagune kann mit kleinen Fischerbooten befahren werden.....

es mangelt nicht an Angeboten....wir haben

uns dann aber doch für einen Spaziergang entschieden.

Krönender Abschluss war Weihnachten in Tangier. Wir wurden von einer wunderbaren Familie zum Weihnachtsfest eingeladen und wurden so reich beschenkt wie nie.

Uns wurde so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft entgegengebracht,

wir sind unendlich dankbar für die schönen Stunden.