Russland / Karelien

16.07. Extra früh brechen wir auf um den Grenzübergang zügig hinter uns zu bringen.....,
doch weit gefehlt. Die ersten Formalitäten, Personalien erfassen, alles handschriftlich, doppelt,
das gleiche für das Fahrzeug, auch doppelt, handschriftlich.
Das ging ja ganz zügig.....dann die Fahrzeugkontrolle, nur mit dem Fahrer, der Beifahrer darf in
gebührendem Abstand Zuschauer sein.
Der BayerMAN war für die Grenzer höchst interessant, denn Hermann durfte wirklich alle Staukästen ausräumen. Alles gut, alles wieder rein. Dann kommt der Innenraum, alle Schübe, alle Kästen, Kühlschrank, Gefrierfach....und da blieb der Grenzbeamte hängen....hat sofort per Funk die Fachfrau angefordert. Objekt des Anstoßes 600 Gramm Kotelett tiefgefroren.
Das muss raus, wird fotografiert, gewogen, genau beschrieben, Hermann hat ich weiß nicht wieviele
Seiten zu unterzeichnen, es war kurz vor Mittag, ich hab mal Kaffee gekocht. Wir stehen seit 08.00 Uhr morgens hier an der Grenze.
Langsam wird es ein bisschen langweilig, ich frage mal bei einer Beamtin nach, wieso wir hier eigentlich warten...nach einiger Diskussion hin und her hat sie einfach gesagt: Because....
Tja, es ist wohl so, gefrorenes Fleisch, auch wenn gut und schön, geht halt nicht über die Grenze.
Inzwischen war das Fleisch schön angetaut, wäre gut gewesen zum Marinieren, aber es durfte ja
nicht weggenommen werden. Die Zeit ging ins Land, irgendwann hab ich dann Melone für alle gebracht, war zwar schön, hat aber auch nichts beschleunigt.
Mehrere Leute warten auf die Abfertigung, alle wegen Lapalien.....keiner kann nachfragen, die Verständigung findet oft über ausgedruckte Handzettel (über Google-Translate) statt.
So vergeht der sonnige Nachmittag und siehe da, kaum ist es 9 Stunden später, können alle über die Grenze.....ein Wunder, dass wir heute noch Murmansk erreichen konnten.
Ach ja, die beanstandeten Dinge wurden natürlich einbehalten...

WELCOME TO RUSSIA 😊


17.07. Murmansk

Der BayerMAN durfte heute stehen bleiben, es ging zur Stadtführung. Kreuz und quer ging es durch die erst 100jährige Stadt. Im zweiten Weltkrieg wurde hier alles zerstört, es finden sich unzählige monumentale Denkmäler, die an diese Zeiten erinnern, Helden werden hier nicht vergessen...
Wir konnten die Lenin besuchen, ein atombetriebener Eisbrecher, der hier als Museum vertäut ist. Voller Stolz wurde uns erklärt, es wurde 1959 in den Dienst gestellt, als erster atombetriebener Eisbrecher der Welt (noch vor den USA, das wurde natürlich betont!), so wurde die Atomkraft zum  ersten Mal für zivile Zwecke verwandt. Bis zum Maschinenraum und hinter Panzerglasscheiben zum Reaktorraum konnten wir vordringen; ein tolles Schiff, damals wurde so ein Schiff richtig schön ausgestattet mit kleinen Salons, vertäfelt (mit Intarsien verziert), mit Kamin und gemütlicher Sitzecke. So nach dem Motto, wenn draußen der Sturm peitscht, soll es drinnen doch
möglichst wohnlich sein.
18.07. Wir haben heute ein Sami-Camp besucht. Vitali hat uns mit Begeisterung
die traditionelle Lebensweise der Samis vermittelt. Samis züchten noch heute wunderschöne, sanfte Rentiere, die wie in alten Tagen ihre Freiheit brauchen.        
Einzeln gehalten oder hinter Schloss und Riegel stirbt ein Rentier binnen kurzer Zeit.
Ebenso hat uns Vitali einige schamanische Rituale näher gebracht, jedes Tierkreiszeichen ist zugehörig zu einem bestimmten Element, dargestellt in
Form großer geschnitzter Pfähle, bringt man diesem eine Münze dar, umarmt 
ihn und spricht seinen Wunsch aus.
Ein altes Ritual ist ein Reinigungsritual. Bevor der junge Mann zu seiner Braut
geht, wäscht sich dieser an einem glasklaren See Hände und Gesicht, ein
Schluck des Wassers wird getrunken; nun ist der Körper von innen und außen rein,   
denn nur mit einem reinen Körper kann ein Sami eine Beziehung eingehen.
19.07. Voll die wilde Tundra Safari
Mit einem rauchenden, stinkenden Kettenmonster ging es durch die sagenhafte Tundra.
Die geringfügigen Ackerspuren hat natürlich dieses Kettenfahrzeug hinterlassen, no problem in russia😊.
Während der Pause ein Barbecue, einfach perfekt.
20.07. Immer noch in Lovozero
Wie man sieht, wird die Lederhose nicht nur in Bayern getragen....
Wilde Sami bzw. Komi-Tänze...
Alt und Neu...oder doch kein Unterschied?
Der Ort der letzten Ruhe....ein bisschen anders.
21.07. Offroad, mehr sog i ned....
Ohje, immer wenn der Hermann eine Alternativstrecke aussucht, na das muss doch immer was
besonderes sein...
Den Botanischen Garten konnten wir nur noch im Eiltempo erkunden, schade😕
22.07. Infocenter für Atomkraft
Sehr professionelles Infozentrum für Atomkraft in Polyarnye Zori in einem versteckten, aber repräsentativen Gebäude, mit Führung in russischer und deutscher Sprache.
Hatten wir so noch nicht kennen gelernt...
Unten auf dem Bild links sieht man ein Modell eines Brennelementes, rechts mit Swarovski-Steinen gekennzeichnet, die Kernkraftwerke in Europa und Russland.
23.07. Langer Weg, ein bisschen Offroad und am Abend eine wunderschöne Darbietung von Gesang und Tanz einer Gruppe in Tracht gekleideter Frauen und Mädchen direkt am Strand.
Im Anschluß gab es sehr leckere Fischsuppe, direkt am Lagerfeuer, hinterher noch ein paar
Liedchen.... alles wunderschön. 
Wir nächtigen direkt am Wasser hier in Varzuga.
24.07. Wir sind noch in Varzuga, der ersten Siedlung auf der gesamten Kola-Halbinsel, direkt am
Varzuga gelegen. Dieser Fluß sehr reich an Lachsen, war die Lebensgrundlage für die Siedler,
der Fischreichtum war bis in die 1970er Jahre, damals wurde an einem Tag 9 Tonnen Fisch mit
einem ausgeklügeltem Netze-Reusen-System gefangen. Danach wurden nie mehr solche großen
Fänge gemacht. Allerdings reichen die Lachse noch heute für die hier ansässigen Fischer und
Sportangler aus ganz Russland (einschließlich VIP's, die hier unerkannt bleiben möchten).

25.07. unser Weg geht wieder zurück, an einen wunderschönen Sandstrand am Weißen Meer,                          wir fahren am Strand entlang, weiter durch Dickicht, der BayerMAN passt gerade noch durch...
und dann stehen wir plötzlich vor einem Pomori (Museums) Dorf. Aleksander und Olga haben diese
alten Schmuckstücke zusammengetragen und bewirtschaften das kleine Lager.
Gruppen aus der ganzen Welt waren bei ihnen schon zu Gast. In diesen primitiven Hütten kann man
schlafen, im Meer fischen gehen, direkt am Lagerfeuer den Fisch grillen, es gibt ein Banja (Sauna)
im Zelt, in einer der Hütten ist der eigene Brunnen, eine Minikapelle für die innere Ruhe und Einkehr,  falls man sie nicht anderweitig in dieser Idylle finden kann.
27.07. Wir brechen auf zu den Beluga-Walen
Sehr früh werden wir von zwei kleinen Bussen abgeholt und 30 km durch die Gegend geschaukelt.
Warum wir nicht selber gefahren sind? Weil nicht alle in unserer Gruppe ein Allrad-Fahrzeug haben.
Es ist sehr stürmisch, es regnet immer wieder.....und dann stehen wir auf wackeligen
Stegen bei den Belugas. Mutter und Kind leben hier in Gefangenschaft.....nicht schön, wenn man
bedenkt, dass diese Walart 40 Jahre alt werden kann.
Es sind sehr freundliche, neugierige Tiere, besonders das Junge, (das mit seinen 4 Jahren immer noch grau ist) lässt sich gerne füttern und streicheln.
Im Anschluss fahren wir mit einem leistungsstarken Motorboot zu einer Insel, auf der es
aussieht, als wäre die Zeit stehen geblieben. Es gibt Elektrizität, ein einziges Satelittentelefon für
alle und sonst nichts was an moderne Zeiten erinnern könnte. Das erstaunliche, das Dorf lebt, es entstehen neue Häuser.
Zum Abschluss ein Klasse Barbecue, leider hat das Wetter nicht mehr ganz mitgespielt, das Essen
hätte uns beinahe der Wind verweht....schade, aber vielleicht denken wir an diesen stürmischen
Ausflug noch lange Zeit.

28.07. wieder über dem Polarkreis....diesmal aber von Nord nach Süd.
29.07. Solowezkij-Inseln
Wieder geht es früh los, 2,5 Std. Fahrt auf einem russischem Ausflugsschiff, ein bisschen rostig,
stark duftend nach frischem Schmalzgebäck und einem Motor, der dringend eine Generalüberholung
bräuchte. Dennoch wir erreichen die Solowezkij-Inseln, die Menschen strömen zu diesem heiligen
Ort. Der heilige Ort mit den zwei Gesichtern. 1921 wurde dieser Ort entweiht und in ein Arbeitslager
und Gefängnis umgewandelt. Das Lager bestand bis 1939, wurde dann weiter für militärische Zwecke genutzt. Aus diesem Lager kamen die wenigsten Menschen wieder nach Hause, sie hungerten,
hatten schwerste Arbeiten zu verrichten.
Wir betreten das Kloster durch das heilige Tor, es ist eine wirklich große Anlage, eine Festung, die gesamte Anlage wird gerade generalsaniert, alles ist eingerüstet, viele Arbeiter sind zu Werke, man erkennt noch die Reste von alten Fresken; die bereits restaurierten Teile, wie die zwei Kirchen, die wir besuchen durften, erstrahlen in vollem Glanz.
In diesen Gotteshäusern kann man es förmlich riechen, dass hier der Glaube gelebt wird...und wunderschön, Touristen dürfen diesen Ort kurz besuchen, fotografieren und die Stimmung einfach aufsaugen......in anderen Ländern geht das oft nicht.
30./31.07. Belomorsk
Auf den ersten Blick mal wieder eine Stadt, die nicht viel zu bieten hat....aber dennoch
gleich um die Ecke sind uralte Felszeichnungen, mitten im Wald auf einer Lichtung ist
dieses große Steinplateau gelegen, ein Platz der Begegnung in frühen Zeiten.
Ebenso ein Kanal, in den 1930er Jahren von Gefangenen erbaut. 221 km lang, verbindet
das weiße Meer mit dem Onega-See; in 22 Monaten erbaut; die Gefangenen mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen ihre Arbeit verrichten, viele starben für dieses ehrgeizige 
Projekt.  
Die Schleusen sind allesamt militärisches Sperrgebiet, fotografieren strengstens verboten, 
alles gesichert durch hohe Zäune und Stacheldraht und das alles für ein historisches Bauwerk.
Schiffe zu sichten, wurde uns gesagt ist wohl sehr selten.
01.08. Unterwegs
Russland, das Land der FrightLiner und sonstigen Kuriositäten.....wussten Sie das nicht?
.....und nette Kleinigkeiten auf dem Weg.

03.08. Petrozavodsk 
heute hätte es eigentlich losgehen sollen.....
doch der Sturm hat unseren Bootsausflug für heute verhindert.
Nun denn, so gab es nur die Theorie, wir konnten einen Club besuchen, der sich seit 1978 dem
Nachbau historischer Schiffe verschiedenster Größen und Bauweisen widmet. Sehr abenteuerliche
Konstruktionen, aber auch sehr stattliche Schiffe entstanden die vergangenen Jahre, ebenso abenteuerlich die Unternehmungen.....eine Expedition bis Spitzbergen, eine zweite bis Jerusalem.
Die Reise nach Jerusalem war eine Pilgerreise, abenteuerlich, problematisch, zwei Schiffe von drei kamen nicht wieder zurück, sind unterwegs gesunken.
Beste Voraussetzungen.....morgen fahren wir mit zwei historischen Nachbauten über den Onegasee zu den Kischi Inseln.
04.08. auf geht's zu den Kischi Inseln
Super Wetter, die Sonne lacht, wir gehen an Bord eines tollen Zwei-Masters, Platz für 8 Personen plus Besatzung. Der Wind reicht zum Segeln nicht ganz aus, so tuckern wir ganz gemütlich über den Onega-See, Stunden später erreichen wir das auf der UNESCO Weltkulturerbeliste stehende Kloster. Komplett aus Holz stehen Sommer und Winterkirche vor uns, rundherum ein kleines, lebendiges Museumsdorf.
Voller Eindrücke geht es auf dem Segler zurück, ein perfekter Tag auf einem wunderschönen Segler.
Nur das Ende der Exkursion war etwas russisch, kurz vor unserem Anleger gab es wohl ein technisches Problem, wir mussten von einem kleinen Beiboot abgeholt und zur Anlegestelle gebracht werden. 
Ende gut, alles gut.

05.08. ein wunderbarer Besuch in Seltozero
Wir sehen zum ersten Mal in Karelien bunte, dekorative und gleichzeitig nützliche Gärten, ebenso gepflegte Häuser. Hier lebt die ethnische Gruppe der Wepsen mit eigener Sprache, schönen
Trachten und Traditionen. Wir durften im ethnografischen Museum (ein prächtiges altes Bauernhaus)
diese Trachten, Lieder und Tänze sehen und hören. Lebensfreude pur haben die Mitglieder dieses
Chores uns spüren lassen.
06.08. Syapsya
Wir übernachten direkt auf dem Gelände des Wildlife Camps, das viele Tiere im Laufe der Zeit aufgenommen hat, Tiere, die verletzt aufgefunden wurden, Waisen oder auch ausgesetzte Tiere.
Am schlimmsten haben wir die Käfige der großen Bären empfunden, nur wenige Meter für ein
großes, starkes Tier, das keinen Auslauf bekommt, keinerlei Beschäftigung hat.
Die Dame, die uns geführt hat, hat hinterher nach unseren Empfindungen gefragt und hat sich
für die Mißstände entschuldigt, aber sie werden nicht von offizieller Seite unterstützt, die Finanzen 
sind knapp, die Käfige können erst erweitert werden, wenn genug Geld vorhanden ist.

07.08. Kinerma
Seit gestern Abend sind wir hier in Kinerma, um die 75 Einwohner hat der Ort, im Winter sind es 5.
Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Trotzdem, es gibt hier eine recht aktive Familie, die
vor einigen Jahren entdeckt hat, dass man in dieser Region nur mit Tourismus nach und nach etwas Geld verdienen kann.
So entstand ein Museum in einem alten Bauernhaus, moderner gestaltet, als so manches Museum
in unseren Landen mit integrierten Übernachtungsmöglichkeiten, alles sehr einfach, aber mit viel
Liebe gemacht.
Gleich daneben das Banja, die russische Sauna, die wir auch benutzen durften.
Eine massive Blockhütte, innen komplett verrußt.                                                              
Direkt unter den Steinen wird ein offenes Feuer gemacht, 
Stunden braucht das Banja bis es aufgeheizt ist, der Rauch entweicht durch eine kleine
Luke, die Asche kommt aus der Feuerstelle, dann wird das Banja dicht gemacht, bis es benutzt wird.
Direkt im Banja wäscht sich dann ein jeder, das ist Sauna und Badezimmer in einem.
Ein bisschen rauchig, aber wirklich schön.
09.08. St. Petersburg
dieser Prunk, dieser Pomp ist schier unbeschreiblich, am besten man packt seine sieben Sachen
und bestaunt dieses architektonische, prunkvolle, barocke Gesamtkunstwerk selbst.
Durchzogen ist die Stadt mit unzähligen Wasserstraßen.....ein gewisses Venedig-Feeling kommt auf.
Am Nachmittag werden wir durch den Katharinen-Palast geführt/geschoben/durchgeschleust.....
der Katharinenpalast mit dem berühmten Nachbau des Bernsteinzimmers ist der helle Wahnsinn,
alles Gold.....von außen wird man von der hellblau/weißen Fassade mit den goldenen Türmen geblendet,
das war's aber dann nicht, nein der goldene Zauber setzt sich innen fort.
Besonders schön hab' ich die in allen Räumen installierten Kachelöfen mit wunderbaren Delfter-
Kacheln gefunden.
Eine sagenhafte Anlage mit ebenso gelungenen barocken Gartenanlagen.
Nicht nett allerdings war die Art, wie uns von unserem Guide mitgeteilt wurde, dass so vieles im Krieg durch die Deutschen zerstört wurde....Krieg ist ein Verbrechen, egal, wer ihn beginnt, wo und wie er geführt wird, Krieg ist die Verhandlungsunfähigkeit oder auch Größenwahn der Menschen und gehört immer verurteilt, aber nicht eine ganze Nation, Generationen danach.